24.08.10

Glasfaser al dente!

Telekommunikation als Daseinsvorsorge heißt schnelles Internet für alle

Der Ausbau von Glasfasertechnik bis in die eigenen vier Wände ist für Stadt­werke eine Investition in die Zukunft. In Tübingen sieht man hierin große Chan­cen für die Bürger und die Stadtentwicklung. Der Stadtwerke-Geschäftsführer Wilfried Kannenberg sprach zu diesem Thema mit dem Teleticker:

Teleticker (TT): Herr Kannenberg, die TüNet ist eine Abteilung wie sie nicht alle Stadtwerke haben. Telekommunika­tion beim regionalen Energieversorger, ist das exotisch?

Wilfried Kannenberg (WK): In Tübingen ist das ganz und gar nicht exotisch. Inzwischen entdecken bundesweit immer mehr kommunale Unternehmen, dass Telekommunikation ein ganz wichtiger Teil zur Sicherstellung der Daseinsvorsorge ist. Und das wird sich in Zukunft mit der Ent­wicklung des Internets und der dadurch entstehenden Anwen­dungen noch verstärken.

TT: Die TüNet ist ja schon über zehn Jahre aktiv im Bereich Netz-ausbau …

WK: Ja, wir hatten in Tübingen – und das hat jedes Stadtwerk – eigene Datenleitungen für unsere Anlagen. Auf dieser Basis konnten wir die letzten Jahre aufbauen. Wichtig ist, dass man mit der rich­tigen Strategie in ein neues Geschäftsfeld geht. Und die lautete bereits 1998: Glasfaser. Nur sie wird langfristig die zukunftswei­senden Visionen einer Stadt ermöglichen. Deshalb haben wir bereits heute in ganz Tübingen ein Glasfasernetz von über 120 km.

TT: Warum gibt es denn allein in Baden- Württemberg einen so unterschiedli­chen Stand bei der Versorgung mit schnellem Internet? Gibt es keine ein­heitliche Vorgehensweise im Ausbau?

WK: In jedem Bundesland herrschen verschiedene Strukturen zwischen Bal­lungsräumen und ländlichen Gebieten. Der Glasfaserausbau in Großstädten ist aufgrund der Wirtschaftlichkeit von TK-Anbietern und Stadtwerken forciert worden. Daher entstanden auch die so genannten „weißen Flecken“ – Gebiete mit sehr schlechter Internetverfügbar­keit, in denen der Ausbau sehr teuer ist. Damit Erfahrungen von den aktiven Städten weitergegeben werden können, ist auch wirtschaftspolitisches Engage­ment notwendig, um einheitliche Rah­menbedingungen zu schaffen. Wir unterstützen daher andere Kommunen, damit sie von der Bundesregierung gestellte Breitbandförderungen für ihre Stadt nutzen können.

TT: Das heißt, da ist viel Lobby-Arbeit zu tun?

WK: Ja – die ist sehr wichtig. Unsere Telekommuniaktionssparte ist seit fast 10 Jahren aktiv im Deutschen Industrie-und Handelskammertag (DIHK) „Tele­kommunikation und Neue Dienste“ für die Region Neckar-Alb vertreten. Als Stadtwerk sind wir mit dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) ver­bunden und die TüNet selbst ist Mit­glied im Bundesverband für Breitband­kommunikation (BREKO). Jeder Verband hat seine Schwerpunkte, aber am Ende setzen wir uns für einen offenen Netz­zugang und eine faire Wettbewerbssi­tuation ein. Die Unternehmen und Bürger sind auf das Internet und schnelle Datenleitun­gen angewiesen, da müssen wir für diese vergleichsweise neue Technologie eine sichere Grundlage für die nächsten 30 bis 50 Jahre schaffen.

TT: Telekommunikation als Stadtwer­keleistung ist dennoch etwas anderes, als wenn sie von privaten Anbie­tern kommt – wie sehen Sie das?

WK: Stadtwerke genießen ein sehr großes Vertrauen in der Bevölke­rung, das hat eine aktuelle VKU-Umfrage bestätigt. Außerdem wird schnell klar, dass Stadt­werke die meisten Synergien im Infra­strukturausbau schaffen, denn hier sind wir in unserem Kerngeschäft. Wir gra­ben im Schnitt Tübingen in 50 Jahren einmal komplett um – Strom, Gas, Was­ser, Fernwärme wird dabei verlegt. Nun fügen wir Glasfaser mit hinzu.

TT: Wenn wir schon beim Thema Zukunft sind – wo geht die Reise hin?

WK: Wir stecken bereits mitten in dem Prozess, dass Datenübertragung nicht nur für Unternehmen entscheidend für die Standortwahl ist. Zunehmend schauen auch private Nutzer genauer hin, welche Internetversorgung in den eigenen vier Wänden zur Verfügung steht. Die Stadtwerke Tübingen werden in den nächsten 10 – 15 Jahren den Glasfaserausbau bis in die Wohnzim­mer (Fiber to the home > FTTH) voran­bringen. Viele der künftigen Anwen­dungen in Privathaushalten können wir uns noch nicht ausmalen. Sicher ist bereits, dass wir künftig Telefon, Fern­sehen und Internet aus einer Leitung beziehen (auch Triple Play genannt). Die gesamte Kommunikation einer Familie in die Schule / Universität, ins Rathaus, ins Krankenhaus, den Supermarkt, an den eigenen Arbeitsplatz oder aus der Küche in den Supermarkt lässt sich theoretisch von zu Hause steuern – die möglichen Anwendungen sind aus heutiger Sicht grenzenlos.

Aber egal was sich am Ende bewährt und durchsetzt, eine schnelle Datenleitung wird in jedem Fall benötigt. Die möglichen Dienste kann jeder Bürger künftig indi­viduell von seinem bevorzug­ten privaten Diensteanbieter auswählen – das ist das Ziel.

TT: Wie gut ist die TüNet für die Zukunft vorbereitet?

WK: Ausgezeichnet! Erste Pilotprojekte sind in Tübingen erfolgreich realisiert. Ideen für eine noch bessere regionale Vernetzung stehen ebenfalls: Wir errichten im südwestlichen Raum ein organisatorisches Netzwerk und dann auch ein physikalisches Glasfasernetz. So können wir untereinander einen Großteil Baden-Württembergs erschlie­ßen, was für die Stadtwerke Tübingen nicht zu leisten wäre. Wir schaffen bissfeste Tatsachen für die Bürgerinnen und Bürger. Und die Region.

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