Wilfried Kannenberg (WK): In Tübingen ist das ganz und gar nicht exotisch. Inzwischen entdecken bundesweit immer mehr kommunale Unternehmen, dass Telekommunikation ein ganz wichtiger Teil zur Sicherstellung der Daseinsvorsorge ist. Und das wird sich in Zukunft mit der Entwicklung des Internets und der dadurch entstehenden Anwendungen noch verstärken.
WK: Ja, wir hatten in Tübingen – und das hat jedes Stadtwerk – eigene Datenleitungen für unsere Anlagen. Auf dieser Basis konnten wir die letzten Jahre aufbauen. Wichtig ist, dass man mit der richtigen Strategie in ein neues Geschäftsfeld geht. Und die lautete bereits 1998: Glasfaser. Nur sie wird langfristig die zukunftsweisenden Visionen einer Stadt ermöglichen. Deshalb haben wir bereits heute in ganz Tübingen ein Glasfasernetz von über 120 km.
WK: In jedem Bundesland herrschen verschiedene Strukturen zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten. Der Glasfaserausbau in Großstädten ist aufgrund der Wirtschaftlichkeit von TK-Anbietern und Stadtwerken forciert worden. Daher entstanden auch die so genannten „weißen Flecken“ – Gebiete mit sehr schlechter Internetverfügbarkeit, in denen der Ausbau sehr teuer ist. Damit Erfahrungen von den aktiven Städten weitergegeben werden können, ist auch wirtschaftspolitisches Engagement notwendig, um einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir unterstützen daher andere Kommunen, damit sie von der Bundesregierung gestellte Breitbandförderungen für ihre Stadt nutzen können.
WK: Ja – die ist sehr wichtig. Unsere Telekommuniaktionssparte ist seit fast 10 Jahren aktiv im Deutschen Industrie-und Handelskammertag (DIHK) „Telekommunikation und Neue Dienste“ für die Region Neckar-Alb vertreten. Als Stadtwerk sind wir mit dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) verbunden und die TüNet selbst ist Mitglied im Bundesverband für Breitbandkommunikation (BREKO). Jeder Verband hat seine Schwerpunkte, aber am Ende setzen wir uns für einen offenen Netzzugang und eine faire Wettbewerbssituation ein. Die Unternehmen und Bürger sind auf das Internet und schnelle Datenleitungen angewiesen, da müssen wir für diese vergleichsweise neue Technologie eine sichere Grundlage für die nächsten 30 bis 50 Jahre schaffen.
WK: Stadtwerke genießen ein sehr großes Vertrauen in der Bevölkerung, das hat eine aktuelle VKU-Umfrage bestätigt. Außerdem wird schnell klar, dass Stadtwerke die meisten Synergien im Infrastrukturausbau schaffen, denn hier sind wir in unserem Kerngeschäft. Wir graben im Schnitt Tübingen in 50 Jahren einmal komplett um – Strom, Gas, Wasser, Fernwärme wird dabei verlegt. Nun fügen wir Glasfaser mit hinzu.
WK: Wir stecken bereits mitten in dem Prozess, dass Datenübertragung nicht nur für Unternehmen entscheidend für die Standortwahl ist. Zunehmend schauen auch private Nutzer genauer hin, welche Internetversorgung in den eigenen vier Wänden zur Verfügung steht. Die Stadtwerke Tübingen werden in den nächsten 10 – 15 Jahren den Glasfaserausbau bis in die Wohnzimmer (Fiber to the home > FTTH) voranbringen. Viele der künftigen Anwendungen in Privathaushalten können wir uns noch nicht ausmalen. Sicher ist bereits, dass wir künftig Telefon, Fernsehen und Internet aus einer Leitung beziehen (auch Triple Play genannt). Die gesamte Kommunikation einer Familie in die Schule / Universität, ins Rathaus, ins Krankenhaus, den Supermarkt, an den eigenen Arbeitsplatz oder aus der Küche in den Supermarkt lässt sich theoretisch von zu Hause steuern – die möglichen Anwendungen sind aus heutiger Sicht grenzenlos.
Aber egal was sich am Ende bewährt und durchsetzt, eine schnelle Datenleitung wird in jedem Fall benötigt. Die möglichen Dienste kann jeder Bürger künftig individuell von seinem bevorzugten privaten Diensteanbieter auswählen – das ist das Ziel.
WK: Ausgezeichnet! Erste Pilotprojekte sind in Tübingen erfolgreich realisiert. Ideen für eine noch bessere regionale Vernetzung stehen ebenfalls: Wir errichten im südwestlichen Raum ein organisatorisches Netzwerk und dann auch ein physikalisches Glasfasernetz. So können wir untereinander einen Großteil Baden-Württembergs erschließen, was für die Stadtwerke Tübingen nicht zu leisten wäre. Wir schaffen bissfeste Tatsachen für die Bürgerinnen und Bürger. Und die Region.
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