Die Versorgung mit schnellen Breitbandanschlüssen ist fortgeschritten. Doch es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte. Und der Riss geht nicht einfach quer durchs Land, sondern oft mitten durch einzelne Kommunen.
Wie Wasser und Strom gehört der Zugang zur schnellen Datenübertragung heute zur Grundversorgung, die besonders für Unternehmen existentiell sein kann. Ein harter Standortfaktor also, der so manche Gemeinde in der Region ins Hintertreffen geraten lässt.
Wir fragen Jörg Hulvershorn, Wirtschaftsförderer der großen Kreisstadt Mössingen: „Auch bei uns ist die Versorgung sehr unterschiedlich. Die Kernstadt mit den Ortsteilen Belsen, Bästenhardt und Bad Sebastiansweiler ist gut versorgt und verfügt in der Regel über DSL 6.000 bis 16.000. Die Ortsteile Öschingen und Talheim hingegen sind eher abgehängt und zehren von DSL-light, das gerade mal ein Drittel von DSL 1.000 leistet.“
Die Öschinger wittern Morgenluft, weil Glasfaser in den nächsten 18 Monaten einziehen soll. Für die Talheimer arbeitet die Stadt ebenfalls an einer Lösung – mittlerweile mit Erfolg: Es gibt eine Fördermittelzusage für die Verlegung eines Leerrohres, weitere Schritte sind in der Pipeline.
Die großen Player schauen auf den Massenmarkt, „und das hilft in der Fläche nicht. Breitbandinitiative heißt das aktuelle Zauberwort, mit dem Politik, Institutionen wie die IHK und Unternehmen wie die Tübinger Stadtwerke mit ihrer Telekommunikationsabteilung TüNet dem Internet Beine machen wollen. Antje Fleischer, Abteilungsleiterin der TüNet, vertrat den jüngst gegründeten regionalen Breitband-Beirat beim 1. Breitbandkongress des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.
Die Politik hat die Brisanz des Themas erkannt. Von Stuttgart über Berlin bis Brüssel steht die Versorgung des ländlichen Raums ganz oben auf der Agenda. Doch die Rechnung muss mit den Telekommunikationsanbietern gemacht werden. „Die Anbieterseite bietet hier ein unbefriedigendes Bild“, so Thorsten Schwäger, Leiter der Abteilung Medien und Verkehr der IHK Reutlingen.
Schließlich geht es hier um die Wirtschaftskraft unserer Region. „Was wir brauchen, ist ein regionaler Marktplatz, um vorhandene Ressourcen zusammenzubringen. Was die Gemeinde A alleine nicht schafft, geht vielleicht in einem Pool mit den Gemeinden B und C. Heute sind die meisten noch für sich unterwegs“, stellt sie fest. Kooperationen können einen wichtigen Beitrag leisten.
Ebenso die direkte finanzielle Förderung seitens der Politik. Doch die kann bislang nur einen Abmangel ausgleichen, nicht aber 100% fördern. Und wo bei den Kommunen für eine solche Förderung kein Geld da ist, geht dann überhaupt nichts.
Hier stehen die Wirtschaftsförderer der Europäischen Union auch im Clinch mit den Wettbewerbshütern: Soll eine 100%-Förderung möglich werden, wenn ohne sie der Breitbandausbau stecken bleibt? Das ist momentan die spannende Frage in Brüssel.
Einstweilen bemühen sich die Handelnden vor Ort, dass der Ausbau weitergehen kann. Beratung und Unterstützung der Kommunen bei der Antragstellung sind hier ein wichtiger Schlüssel: so ist die Task-Force der TüNet nicht nur in Tübingen ein gefragter Ansprechpartner, sondern z.B. auch in Rottenburg, Tuttlingen oder Nürtingen. Deutschland braucht eine zweite Wiedervereinigung: Wir strengen uns an, damit die Breitbandinitiative gelingen kann!