Gut zwei Jahre nach ihrer Gründung scheint die TüNet GmbH, ein Ableger der Stadtwerke, aus dem Gröbsten heraus. Für 2001 peilt TüNet-Chef Herbert Weitzenberg erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis an.
Mit einem derart erfolgreichen Schnellstart hatte bei den Tübinger Stadtwerken niemand gerechnet, als man sich im Herbst 1998 daran machte, das eigene Kabelnetz für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Der Versorgungsbetrieb verfügte damals über Kupferstrippen mit einer Gesamtlänge von etwa 150 Kilometern. Nach der Liberalisierung des Telekom-Marktes lag es nahe, mit dieser Infrastruktur, die bis dahin ausschließlich der internen Kommunikation diente, ein neues Geschäftsfeld aufzubauen. Dazu wurde die TüNet GmbH als 100-prozentige Tochter der Stadtwerke gegründet.
Mittlerweile ist es der jungen Firma mit sechs Mitarbeitern gelungen, der übermächtigen Telekom im Tübinger Revier Paroli zu bieten.
Dabei will Weitzenberg dem Ex-Monopolisten keineswegs das Massengeschäft streitig machen. Er begnügt sich mit einer einträglichen Nische: "Wir kümmern uns um Firmen und Institutionen, denen wir individuelle Gesamtlösungen für den Datenaustausch anbieten können."
Den Einstieg in diesen Markt schaffte Weitzenberg mit der Universität, die ihren Datentransfer inzwischen zu großen Teilen über die Leitungen der TüNet abwickelt. Dazu kamen mit dem Studentenwerk, der Stadtverwaltung und dem Landratsamt in rascher Folge weitere namhafte Kunden. Und auch in der Wirtschaft wurde man bei der Akquise fündig, so zum Beispiel bei der Kreissparkasse, bei Osiander und der CHT Beitlich GmbH.
Voraussetzung für die Expansion war die Ausweitung des eigenen Netzes. Dabei setzte die TüNet von Anfang an auf Glasfaser-Kabel, die sehr viel leistungsfähiger als die herkömmlichen Kupferleitungen sind.
In den letzten beiden Jahren hat die TüNet Glasfaser-Kabel mit einer Gesamtlänge von 35 Kilometern in den Tübinger Untergrund verbuddelt. Dazu noch Leerrohre auf einer Strecke von 80 Kilometern, in die bei Bedarf jederzeit Glasfaser-Kabel eingezogen werden können. Einen großen Schritt nach vorn schaffte die Firma mit der Anbindung ihres Reviers an die Datennetze in Stuttgart. Demnächst soll der Kurzschluss nach Reutlingen folgen.
Der zügige Ausbau der Infrastruktur und die zunehmenden Erfolge bei ihrer Vermarktung spiegeln sich auch in den Bilanzen der Firma wider: 1999, im ersten regulären Geschäftsjahr, wies die TüNet GmbH bei einem Umsatz von 500.000 Mark einen Verlust von 200.000 Mark aus.
Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz auf eine Million, gleichzeitig schrumpfte das Minus auf knapp 130.000 Mark. Heuer nun will Weitzenberg bei einem wiederum verdoppelten Umsatz erstmals aus den roten Zahlen herauskommen.
Für die Zukunft ist dem 56-jährigen TüNet-Chef trotz des Katzenjammers in der Internet-Branche nicht bange: "Auf lange Sicht sind im Bereich der Telekommunikation noch hohe Zuwachsraten zu erwarten." Dass es momentan nicht ganz so schnell vorangeht, wie in der Anfangseuphorie erwartet, kommt ihm sogar ganz gelegen: "Das ist gut so, denn das verschafft uns die nötige Zeit, um auf solider Basis optimale Konzepte für unsere Kunden zu entwickeln." Und genau darin sieht Weitzenberg die Stärke der TüNet im Wettbewerb mit dem Telekom-Konzern: "Wir können maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten und sind mit unserem Service rund um die Uhr vor Ort präsent."
Um diesen strategischen Vorteil weiter auszubauen, ging die TüNet GmbH jüngst eine enge Kooperation mit dem Bempflinger Internet-Provider Nepustil ein. Konkretes Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, der gemeinsamen Kundschaft ein Komplett-Paket für den virtuellen Datenaustausch anbieten zu können. Der Leistungskatalog reicht vom schnellen und direkten Zugang zum Internet über die Entwicklung, Sicherung und Wartung komplexer Netzwerke bis hin zum Webdesign.
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