10.05.01

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Konkurrenz für die Telekom: Die Tübinger Stadtwerke verlegen Glasfasern

Wer für den firmeneigenen Datenverkehr zwischen Tübingen und Reutlingen eine Standleitung mieten will, ist derzeit noch auf den Monopolisten, die deutsche Telekom AG, angewiesen. Doch die Konkurrenz in Tübingen schläft nicht, sondern verlegt bereits Glasfasern: Die junge Firma TüNet, eine hundertprozentige Stadtwerke-Tochter, will Ende diesen Jahres eine Datenautobahn nach Reutlingen und weiter nach Stuttgart eröffnen.

Mit Lichtgeschwindigkeit geht es vorwärts im Ringverkehr, nach Reutlingen oder gleich weiter nach Stuttgart. Ist die unterirrdische Straße einmal unterbrochen, macht das nichts: Dann geht es eben in die andere Richtung weiter. So stellt sich die TüNet den Verkehr der Zukunft vor. Nur bleibt diese Art des Reisens den Nullen und Einsen vorbehalten, also den Computerdaten von Firmen, die die Tübinger Firma auf ihre Datenautobahnen lassen will und derzeit anwirbt.

Der Daten-Highway wird aus Glasfasern bestehen, deren Übertragungskapazität weit höher als die klassischer Kupferkabel ist. "Nach oben sind da keine Grenzen gesetzt", sagt Antje Fleischer, die bei TüNet fürs Marketing zuständig ist. Ihre Firma vergibt Bandbreiten ab zwei Megabit (Mbit) pro Sekunde. "Das entspricht der Kapazität von 15 herkömmlichen ISDN-Anschlüssen", erklärt sie.

Derzeit laufen die Tiefbau-Arbeiten. Zuerst werden die Leerrohre verlegt, dann mit einer speziellen Technik die empfindlichen Glasfasern eingezogen. Ein Meter der so genannten Lichtwellenleiter kostet 20 Mark.
15 Kilometer nach Reutlingen, weitere 35 Kilometer nach Stuttgart - eine hohe Investition, über deren Gesamtsumme TüNet noch keine Auskunft geben kann, weil sie auch von der Anzahl der Leitungsmieter abhängt. Die 35 Kilometer nach Stuttgart werden gemeinsam mit der dortigen Firma Neckarcom (http://www.neckarcom.de) betrieben.

Bevor die Daten auf Wanderschaft gehen, werden sie im "Carrier-Hotel" geordnet. Das ist ein Raum irgendwo in Tübingen, in dem viele Server-Computer stehen, ein Knotenpunkt der verschiedenen Datenleitungen. "Den Standort geben wir aus Sicherheitsgründen nicht bekannt. Da steht auch enorm viel Geld rum", erklärt Antje Fleischer.

Mit der Verbindung nach Stuttgart wird dann auch das TüNet-Netz an nationale und internationale Glasfasernetze angeschlossen.
Die Tübinger nutzen zuerst die Leitungen der Neckarcom. Und an deren Ende geht es über die Leitungen von anderen kooperierenden Betrieben weiter. "City-Carrier unterstützen sich oft gegenseitig", sagt Fleischer.

Bisher bot der mittelständische Tübinger City-Carrier vor allem innerhalb der Stadtgrenzen seine Lei(s)tungen an: Ein Netz von Kupferkabeln und Glasfasern verbindet die Kernstadt mit Lustnau, den Gewerbegebieten und dem Behördenzentrum in Derendingen. "Alles, was bisher über Reutlingen und Tübingen hinausging, lief über die Konkurrenz", erklärt Marc Beck, Technischer Leiter des Fünf-Personen-Betriebs.

Die Konkurrenz hat in Tübingen nur einen Namen: Deutsche Telekom. Da es hier nicht allzu viel Industrie gibt und zudem die topographischen Beschaffenheit der Gegend nicht allzu günstig ist, um Leitungen zu verlegen, hat bisher noch niemand am Monopol gekratzt. Doch das ändert sich jetzt: Die TüNet wirbt um Geschäftskunden, die eine Verbindung zwischen den beiden Städten brauchen, beispielsweise Banken oder Autohäuser, die dort eine Filiale haben.

Die Firma Osiander, auch zuvor schon Kunde der TüNet, hat bereits Interesse bekundet. Sie überlegt, ihren gesamten innerbetrieblichen Datenverkehr in die Hände oder besser Leitungen der Stadtwerke-Tochter zu legen. Bisher wurden dafür Telekom-Kabel benutzt. Richard-Hans Riethmüller erklärt: "Dann würden alle Kassenabbuchungen, Bestellungen und Lager-Informationen sowie die hausinternen Telefonate über TüNet laufen."

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