„Deutschland, geteiltes Land!“ titelte der Teleticker vor einem Jahr und problematisierte den Umstand, dass schnelle Breitbandzugänge ins Internet noch lange nicht flächendeckend verfügbar sind.
Wie stellt sich die Situation heute dar? Was sagen Unternehmer, IT-Leiter, Wirtschaftsförderer und die zuständigen Verwaltungsfachleute?
Der Teleticker hat für Sie nachgehakt. Thomas Dephoff vom TTR Technologiepark Tübingen-Reutlingen im Reutlinger Industriegebiet Mark West vermisst etwas und zwar ein „Angebot im Zwischenbereich“:
Schließlich gibt es dort gute High-End- Verbindungen sowie die ganz normalen DSL-Anschlüsse, die aber echt langsam sind, weil der nächste DSL-Knoten weit entfernt ist. Diese Lücke hätte er doch sehr gerne durch ein gestaffeltes Angebot geschlossen.
Renate Weyland von der Firma Promicon in Rübgarten ist „standardversorgt“ und „merkt es dann schon, wenn beim mehrfachen Versand einer Pressemitteilung ein Stau in ihrer Leitung ententsteht:
Der restliche E-Mailverkehr im Haus kommt praktisch zum Erliegen, weil an der PM halt ein größerer Anhang dran ist.“ Rübgarten ist ohnehin ein Bilderbuchbeispiel für das weite Feld, auf dem man sich beim Thema Breitbandausbau bewegt. Wurde hier doch sogar Glasfaser im Auftrag der Kommune und mit tatkräftiger Unterstützung der TüNet verlegt – nur genutzt wird sie noch nicht, weil ein Betreiber fehlt.
„Das ist ein sehr, sehr zähes Verfahren“, stellt Markus Hillenbrand von der Finanzverwaltung der Gemeinde Pliezhausen fest. Denn bislang hat sich die Telekom geweigert, Leitungen zu nutzen, die nicht ihre eigenen sind. Die Bundesnetzagentur befördert allerdings den Prozess, überkommene Strukturen endlich aufzuweichen, denn „der Wettbewerb allein bewerkstelligt es nicht“, so Hillenbrand.
Das bestätigt auch der Wirtschaftsförderer der großen Kreisstadt Mössingen, Jörg Hulvershorn. „Für Talheim versuchen wir gerade den Kunstgriff, einen Anbieter zu finden, der einerseits 25 MBit/s für die Unternehmen liefern kann und andererseits eine höhere Gesamtleistung auch für die Privathaushalte ermöglicht.“
Die Lösung soll dann aber auch nachhaltig sein, findet Hulvershorn und freut sich, dass im Nachbarort Öschingen die „Geburtswehen eingesetzt haben“ und ein schneller Breitband-Internetzugang nur noch eine „Frage von Tagen oder weniger Wochen“ ist. Die „Komplexität der Umstände“, „schwer durchdringbare Zusammenhänge“ und „bürokratische Hürden“ beklagt Claudia Patzwahl, bei der Tübinger Kommunalverwaltung zuständig für die Breitbandkabel der Stadt. „Die Krux liegt im Behördendickicht und manchmal auch daran, das vieles gut gemeint ist, dadurch aber unglaublich kompliziert wird“, so Patzwahl.
„Die Fördermöglichkeiten der EU und des Bundes sind ein sehr enges Korsett, vieles gehört einfach offener gestaltet.“ Dies scheitert aber paradoxerweise just daran, dass man in offenen Märkten niemanden benachteiligen will und die Dinge dann überreguliert werden.
„In zwei Fällen können wir das Konjunkturprogramm der Bundesregierung nutzen, nämlich für Bühl und Hirschau“, berichtet sie. „Für Hagelloch jedoch hat die Stadt lieber auf einen Zuschuss verzichtet und auf eigene Faust eine preisgünstigere Lösung realisiert, die zu den Bedingungen des Zuschussverfahrens unmöglich gewesen wäre.“
Die gute Nachricht ist, dass auch in Bühl und Hirschau jetzt Leerrohre verlegt werden und in allen drei Tübinger Stadtteilen bald Glasfaser eingeschossen werden kann.
Was dann im dritten Schritt immer noch fehlt, ist ein Netzbetreiber. Die Ausschreibung ist vorbereitet und Patzwahl hofft, dass sie bei Betreibern auch auf Interesse stößt.
Die Mühen der Ebene, die haben wir in Sachen Breitbandausbau also mühelos erreicht. Sie durchzustehen, braucht es Unternehmergeist, Ungeduld, Mut und manchmal auch ein gerüttelt Maß an Geduld und Puste. Gut Ding will eben Weile haben – hoffen wir’s!
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