TÜBINGEN (sep). Die organisatorische Aufspreizung der Tübinger Stadtverwaltung nimmt kein Ende:
Am kommenden Montag beschäftigt sich der Gemeinderat mit der Gründung einer neuen Telekommunikations-GmbH, die unter dem Dach der Stadtwerke angesiedelt werden soll. Die öffentliche Sitzung beginnt zunächst mit einer Fragestunde für die Fraktionen um 16.15 Uhr im Rathaus.
Der neue Ableger der Stadtwerke, die TüNet GmbH, soll die Vermarktung des städtischen Kabelnetzes übernehmen. Seit der Gemeinderat im Herbst 1997 die städtischen Telefonleitungen an die Stadtwerke verkauft hat, verfügt der Versorgungsbetrieb über ein etwa 150 Kilometer langes Netz. Diese Strippen werden bislang hauptsächlich dazu benutzt, die Telefonnebenstellen der Stadtverwaltung und der Stadtwerke zu betreiben. Außerdem laufen auf dieser Schiene die Meßwerte und Meldungen verschiedener Einrichtungen bei der Zentralen Leitwarte der Stadtwerke zusammen.
Mit der Privatisierung des Telekom-Marktes eröffnete sich für die Stadtwerke die Chance, ihr Leitungsnetz mit einer entsprechenden Lizenz auch kommerziell zu nutzen. Konkret ist derzeit beabsichtigt, Firmen oder Institutionen feste Standleitungen anzubieten. Wenn der Gemeinderat am Montag dem vorgelegten Gesellschafts- Vertrag zustimmt, werden die Stadtwerke für dieses Geschäft die TüNet GmbH (Stammkapital: 50 000 Mark) gründen. Chef der neuen Tochter soll Herbert Weitzenberg werden, der bei den Stadtwerken als Hauptabteilungsleiter für die Elektrizitätsversorgung zuständig ist.
Ebenfalls am Montag auf dem Programm: die Debatte über einen geeigneten Bauplatz für die Firma Modine. Wie berichtet, sieht die Verwaltung derzeit eine gute Chance, die Europazentrale des amerikanischen Konzerns (Hauptverwaltung plus Forschungsabteilung) im Neckartal anzusiedeln. Voraussetzung für den Zugewinn von rund 400 Arbeitsplätzen ist freilich die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für die "Traufwiesen". Dieses über vier Hektar große Areal südlich der B 27, das man Modine anbieten will, dient bislang als ökologische Ausgleichsfläche, auf der die Natureingriffe bei der Anlage des Gewerbegebiets "Neckaraue" (Güllen) kompensiert werden sollen.
Nach Auffassung der Verwaltung hat die Ansiedlung von Arbeitsplätzen in diesem Falle Vorrang vor den Belangen des Naturschutzes. Den gesetzlich vorgeschriebenen ökolo-gischen Ausgleich für die Bebauung im Güllen und in den Traufwiesen könne man auch andernorts schaffen, beispielsweise durch die weitere Renaturierung der Ammer. Die meisten Fraktionen sind offenbar der gleichen Meinung. Jedenfalls gab es bei der nichtöffentlichen Vorberatung im Planungsausschuß bereits eine deutliche Mehrheit für die beantragte Aufstellung eines Bebauungsplanes.
Daneben wartet auch Routinegeschäft auf den Rat. Die GWG wünscht sich eine städtische Bürgschaft für zinsgünstige Kredite in Höhe von 3,5 Millionen Mark, die sie zur Finanzierung ihrer neuen Wohnanlage in der Mohlstraße benötigt. Der öffentliche Weg, der in der Gartenstraße neben dem früheren Synagogen Standort vorbei zum Österberg führt, soll künftig "Synagogenplatz" heißen. Und für die Erschließungsstraße im neuen Gewerbegebiet Azenbach schlägt die Verwaltung den schlichten Namen "Azenbachstraße" vor.
Mit dem Bebauungsplan für die Erweiterung des Friedhofs in Unterjesingen kommt am Montag ein ziemlich umstrittenes Projekt wieder mal auf den Tisch. Im Grunde genommen geht es dabei um die Frage, wie weit man die Natur am Schönbuch-Trauf für die Expansion des Friedhofes zurückdrängen soll. Während die Bauverwaltung im Einklang mit der Unteren Naturschutzbehörde zunächst eine eher bescheidene Ausweitung des Friedhof-Geländes (mit zwei Bauabschnitten) befürwortete, bestand der Unterjesinger Ortschaftsrat von vornherein auf einer großzügigen planerischen Lösung (mit drei Bauabschnitten).
Nach einigem Hin und Her haben sich die Stadtplaner mittlerweile auf diese Maximal-Variante eingelassen. Doch jetzt wollen der Ortschaftsrat und die CDU- Fraktion noch einen Schritt weitergehen: Sie beantragen zur großen Freude der betroffenen Grundstücksbesitzer auf den Streuobstwiesen, die im Westen an den Friedhof angrenzen, etliche Bauplätze auszuweisen. Das hat die Verwaltung bisher aus ökologischen Gründen abgelehnt.
Um ähnliche Bauwünsche entlang der Tessinstraße im Außenbereich von Kilchberg ein für allemal abzublocken, wünscht sich die Verwaltung eine kleine Korrektur im Ortsbauplan von 1885. Präventiven Charakter hat auch die Satzung über ein städtisches Vorkaufsrecht in einem zwanzig Hektar großen Gebiet auf der Oberen Viehweide. Wie berichtet, soll dort ein Wissenschafts- und Technologiepark angesiedelt werden. Mit dem Vorkaufsrecht will die Stadt sicherstellen, daß dieses Projekt bis zur Ausweisung eines städtebaulichen Entwicklungsbereiches nicht durch unkontrollierte Grundstücksgeschäfte behindert wird.
Schließlich geht es am kommenden Montag auch noch um den Ausbau der Kläranlage, speziell um den Standort des neuen Betriebsgebäudes. Bislang war diese Zentrale südlich des Neckars geplant, jetzt plädiert der städtische Eigenbetrieb Entsorgung dafür, das Gebäude auf dem nördlichen Uferstreifen zu errichten. Damit und mit etlichen Einsparungen ließen sich die Baukosten von acht auf vier Millionen Mark halbieren - mit der Folge, daß der Eigenbetrieb diesen letzten Bauab-schnitt schneller als bisher vorgesehen anpacken könnte.
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