30.04.03

Preiskampf im Ortsnetz beginnt

Das Telefonieren soll von Freitag an billiger werden, versprechen Telefongesellschaften. Einige bieten dann das so genannte "Call-by-call"-Verfahren auch im Ortsnetz an. Die Crux dabei: Wie schon bei Telefonaten in die Ferne muss sich die Kundschaft auch bei Ortsgesprächen durch den Tarif-Dschungel rechnen. Das Tübinger Unternehmen TüNet hält sich aus dem neuerlichen Preiskampf vorerst heraus.

Als nach der Marktöffnung 1998 die Telekom-Konkurrenten Ferngespräche anboten, begannen die Preise um bis zu 90 Prozent zu purzeln. Einen derartigen Preisrutsch erwartet bei der Öffnung des Ortsnetz-Marktes jedoch niemand.

Call-by-call nennt sich die Variante, bei der sich Telekom-Kunden von Freitag an nun auch vor jedem Ortsgespräch einen Telefonanbieter ihrer Wahl suchen können. Vor der eigentlichen Rufnummer muss dann jeweils die Nummer der Telefongesellschaft gewählt werden. Die Abrechnung erfolgt über die Deutsche Telekom, zusätzliche Gebühren fallen nicht an.

Zwar konnte der Telefonkunde seine Ortsgespräche über eine 0190-er Nummer bei verschiedenen Anbietern auch bislang schon günstiger als bei der Telekom führen. Doch die 0190er hat ihre bekannten Tücken: Einmal vertippt landet man bei unseriösen und teuren Ansagediensten.

Von den rund 20 Gesellschaften, die bundesweit oder nur in Ballungszentren Ortsgespräche per Call-by-call an den Kunden bringen wollen, haben bis Mittwoch Abend erst zwei ihre Preise verkündet - "Arcor"(Frankfurt) und "3U" (Eschborn). Andere Anbieter machen ihre Tarife erst am heutigen Donnerstag öffentlich.

Während bei "3U" nur 1.500 Orte in der Startphase dabei sind (außen vor bleiben bislang die Kreise Tübingen und Reutlingen), bietet Arcor seinen Dienst bundesweit an. Mit der Vorwahl 01070 kann der Kreis-Tübinger durchaus sparen - es kommt jedoch auf den Anschluss bei der Telekom an.

Bei einem analogen "T-Net" sowie einem "T-ISDN-Standard"-Anschluss etwa verlangen die Bonner sechs Cent für ein eineinhalb-minütiges Gespräch (montags bis freitags, 9 beziehungsweise 8 bis 18 Uhr). Nur 3,1 Cent pro Minute (montags bis freitags, 7 bis 18 Uhr) werden bei einem "T-Net-100"-Anschluss fällig. Da aber liegt die monatliche Grundgebühr um 3,27 Euro höher als beim "T-Net-Standard"-Anschluss.

Ein Gespräch über Arcor in der gleichen Zeit kostet von Freitag an 4,5 Cent pro Minute - egal, ob mit einem analogen oder einem ISDN-Anschluss. Gegenüber einem "T-Net-Standard"-Anschluss können also bei 100 Gesprächen bis zu einer Minute 1,50 Euro gespart werden. Hat der Kunde jedoch einen "T-Net-100"-Anschluss, zahlt er 1,40 Euro mehr.

Rechnen und abermals rechnen ist auch bei Ortsgesprächen künftig angesagt, wenn monatlichder eine oder andere Euro gespart werden soll. "Als Verbraucher bin ich stark gefordert", bekennt denn auch Brigitte Sievering-Wichers von der Stuttgarter Verbraucherzentrale.

Die neuerliche Liberalisierung mache das Telefonieren zwar billiger, aber auch komplizierter. Man müsse genau hinschauen und sich informieren, zu welchen Zeiten bei welchem Anbieter das Ortsgespräch am günstigsten ist. Viele Unternehmen hielten mit ihren Preisen noch hinterm Berg, aber sie erwartet in Kürze einen "Preiskampf im Ortsnetz".

Strittig sei bei manchen Telefongesellschaften, was denn "Ortsnetz" überhaupt bedeute, so Sievering-Wichers. Während etwa bei der Telekom und bei Arcor im Umkreis von 20 Kilometern zum Ortstarif telefoniert werden kann, lassen andere Anbieter nur die eigene Orts-Vorwahl als Ortsgespräch gelten. Ein Gespräch von Tübingen nach Unterjesingen (07073) wäre dann etwa bei "3U" ein &nationales Gespräch.

Im Kampf um den Ortsnetz-Kunden könnte auch die TüNet GmbH mitmischen. Die Stadtwerke-Tochter betreibt in Tübingen ein dichtes Glasfasernetz und bietet Call-by-call-Ferngespräche für Geschäftskunden an. Doch den Geschäftsführer Herbert Weitzenberg reißt die Liberalisierung "wirtschaftlich nicht vom Hocker". Er will sich erst einmal anschauen, was das Ortsnetz-Szenario hergibt. Der Markt sei "so verdorben", sagt er, "da muss man sehr vorsichtig sein."

Einrichtung sowie Rechnungsstellung insbesondere für den Privatkunden seien "ein sehr hoher Aufwand". Weitzenberg: "Da wird nichts verdient." Denkbar sei aber, dass TüNet im Herbst ebenfalls Call-by-call-Ortsgespräche anbietet, jedoch ausschließlich für Geschäftskunden.

Verfasser: Manfred Hantke, Schwäbisches Tagblatt
http://www.tagblatt.de

20.12.11

Die Hartmetall- und Werkzeugfabrik Paul Horn ist nicht nur Namensgeber der Sport- und...

07.12.11

Die TüNet-Mixtur aus coolem Plan und heißem Ergebnis: So reiten Sie entspannt durch die Feiertage.

25.11.11

Breitbandförderung und mittelstandsorientierte IT-Politik waren die zentralen Themen der 11...

Haben Sie Interesse?
Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!
Rückruf
Felder, mit einem * bitte ausfüllen.