Tübingen: Der Telekommunikationsmarkt ist in Bewegung, und die Stadtwerke mischen mit. Wer in Tübingen zum Telefonhörer greift, führt sein Ortsgespräch in naher Zukunft möglicherweise im "TüNet"-Netz. Stadtwerke-Sprecher Manfred Schwarz ist zuversichtlich, und "TüNet"-Geschäftsführer Herbert Weitzenberg pflichtet ihm bei: "Ein kleines City-Netz kann sich durchaus rentieren."
Mit Prognosen sind Schwarz und Weitzenberg vorsichtig. Dafür ist der Markt zu unübersichtlich. Schwarz: "Wir stürzen uns nicht in unkalkulierbare Abenteuer." Doch zuschauen, wie andere den Kuchen unter sich verteilen, kommt nicht in Frage. Die Weichen müssen jetzt gestellt werden. Weitzenberg: "Ich will nicht zwanzig Jahre warten." Im Augenblick verfügen die Stadtwerke (SWT) über ein Kabelnetz von 150 Kilometer. Ein Klacks, gemessen an dem, was die Telekom hat. Aber ausreichend für die Zwecke der SWT: beispielsweise für die Datenübertragung von der Kläranlage ins Technische Rathaus und Gespräche innerhalb der Stadtverwaltung. Und jederzeit rasch erweiterbar. "
Das ist unser Vorteil", sagt der 53jährige Geschäftsführer. "Wir pflügen ständig die Stadt um." Für Arbeiten an den Strom-, Gas- und Fernwärmenetzen muss sowieso immer wieder aufgegraben werden. Kein Problem, dabei Rohre zu verlegen, mit denen das Telefon-Netz vergrößert wird. "Irgendwann schließen sich die Lücken." An vielen Stellen sind bereits geeignete Leer-Rohre vorhanden. Die Telekom dagegen muss jedes Mal extra die Bagger schicken. Voraussetzung für die Realisierung der Pläne ist die Zustimmung des Stadtrats. Die wird benötigt, um eine Tochtergesellschaft zu gründen: eben die "TüNet", deren Leitung Weitzenberg übernehmen soll. Der 53jährige Prokurist ist Hauptabteilungsleiter der SWT-Elektrizitätsversorgung. Möglichst rasch will er die Lizenz für die "TüNet" bei der Regulierungsbehörde beantragen.
Mögliche Kunden sind Banken mit ihren Zweigstellen. Firmen und Behörden mit mehreren Standorten im Stadtgebiet oder die Uni mit ihren verstreuten Instituten. "Wir können auf Kundenwünsche eingehen und schnell reagieren", betont SWT-Vize Schwarz. Zug um Zug soll dann die Dienstleistung ausgebaut werden - bis eben normale Ortsgespräche über die "TüNet" geführt werden. Den Stadtwerken geht es nicht ums große Geld, aber auf dem neuen Markt wollen sie präsent sein. Schwarz:" Wir treiben das sehr sorgfältig voran."
Die Tübinger sind dabei nicht allein. Auch anderswo wird die Entwicklung mit wachen Augen verfolgt. Gemeinsam mit den Kollegen aus Karlsruhe und Konstanz gehören die Tübinger Stadtwerke zu den Gründungsmitgliedern von "koptel". Ziel ist eine gemeinsame Telekommunikationsgesellschaft Baden-Württemberg (TBW). "Die Großindustrie macht es vor. Laufend werden neue Allianzen geschlossen." Warum also nicht auf der Ebene der kommunalen Unternehmen?
Als schlagkräftige Gemeinschaft will man die Chance auf dem freien Markt nutzen. Werden die Netze zusammengeschaltet, erhöht sich die Reichweite um ein Vielfaches. Als Parade-Beispiel gilt Finnland, wo sich 46 kleinere Unternehmen zusammengetan haben und den Großen erfolgreich Paroli bieten.
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